Donnerstag, 25.08.2011:
So ein Wochenende will gut geplant sein. Bisher kann ich nur ahnen, was auf mich zukommt. Viele Stunden auf der Autobahn, Viele Stunden auf der Bühne und definitiv zu wenig schlaf! Dem muss ich entgegenwirken. Überall hört man, “vorschlafen funktioniert nicht”. Mir egal, eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Es ist jetzt 12:00 Uhr am Mittag. Die Sonne scheint und in meiner Wohnung ist es warm. Mir egal, ich gehe jetzt schlafen.
23 Uhr… 11 Stunden geschlafen. Gut, zwischendurch mal aufgewacht und die innere Uhr verscheucht. In Prinzip geht der Plan aber auf bisher.
Freitag, 26.08.2011:
Gegen 04:00 Uhr geht der Zug… ich habe noch massig Zeit!
Ich beginne meinen Tag mit einem deftigen Frühstück: Pizza. Warum nicht… wenn schon durcheinander, dann richtig.
Den Rest der Zeit verplempre ich ähnlich sinnlos… Naja, dann das übliche, Sachen packen, Hemden bügeln und los.
Da ich immer noch Zeit habe entscheide ich mich dafür, zu Fuß zum Bahnhof zu laufen.
 Der Zug kommt pünktlich. Da der ICE so angenehm leer ist beschließe ich spontan, des öfteren früh morgens mit dem Zug zu fahren. Leider darf ich diesen Luxus-Zug aber nur bis Essen nehmen und muss dort in die S-Bahn nach Bottrop umsteigen. Die auf einmal lebendig stressige Atmosphäre des Pendler-Verkehrs lässt mich meinen eben gefassten Beschluss noch einmal überdenken.
Dann Ankunft in Bottrop. Hier treffe ich auf meinem Kollegen, der dort bereits mit unserem Kleinbus auf mich wartet. Ab sofort geht’s zu zweit mit dem Auto weiter nach Bremen. Die gute Nachricht: Mein lieber Kollege wartet mit frischem Kaffee auf mich. Die schlechte Nachricht: Seine Schlaf-Vorbereitung war nicht so effektiv wie die meine. Da er jetzt schon todmüde ist werde ich direkt ans Steuer verfrachtet. Egal, macht mir spaß!
Die Autofahrt verläuft entspannt und ereignislos. Ich wundere mich zwar wiederholt, wie weit doch die Strecke nach Bremen ist. Das tue ich aber wahrscheinlich mehr aus Langeweile. Mein Kollege hält mich regelmäßig über die Tatsache auf dem laufenden, dass er nicht schlafen könne. Danach schläft er meistens wieder ein!
Unser Plan sieht vor, erst aufzubauen um danach das Hotel aufzusuchen und zu schlafen.
Gegen 08:30 Uhr erreichen wir Bremen. Da wir erst um 10:00 Uhr mit dem Aufbau beginnen können, geht es zuerst ins Hotel, “Frühstücken”. Das für mich verdiente Abendessen besteht jetzt also aus frischen Brötchen, Saft und Kaffee… Mir schmeckt’s!
09:50 Uhr: Wir fahren zur Location um aufzubauen. Das Wetter ist sehr schön, was gute Laune verbreitet! Der erste Eindruck ist entsprechend gut. Der zweite Eindruck entpuppt sich als sehr abschreckend. Seltsamer Eingang mit uneinladendem Ambiente. Als man uns dann um das Haus herumführt und uns erklärt, wir müssten mit dem Auto nur kurz über den Sportplatz, war der dritte Eindruck dann doch wieder sehr schön. Für Fußballfans ist der Blick auf die Spielfläche sicherlich ein Highlight.


Ich wünschte, dies wäre der letzte Eindruck gewesen. Hätte ich nur nicht durch’s Fenster geschaut.
Wer hat eigentlich diese Stühle erfunden… und noch viel schlimmer, wem fällt nicht auf, dass diese Stühle einem Raum jedes Flair nehmen?!? Nicht unser Problem. Da unsereins aber jede Woche Locations verschiedenster Art und Weise besucht, fällt mir so etwas eben besonders negativ auf. Immerhin soll hier eine Hochzeit gefeiert werden! Nun gut, dafür gibt es ja schöne bunte Lampen… kriegen wir alles hin!
Der Aufbau erfolgt problemlos in Rekordzeit und wir machen uns auf zum Hotel. Schlafen bis 18:00 Uhr, Gute Nacht!
Gegen 18:30 geht es frisch geduscht und in schmucker Abendgarderobe zurück zum heutigen Arbeitsplatz. Sowohl die Gäste als auch unsere wunderbare Sängerin sind schon vor Ort. Schnell werden noch die letzten Vorbereitungen getroffen, dann geht es um 19:00 Uhr los mit der obligatorischen Dinnermusik.
Nachdem ich die Location eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen habe und auch die Gesellschaft eher klein ist, bin ich sehr unsicher, was uns hier erwartet. Die ersten Songs zeigen aber schon, dass es trotz aller Bedenken ganz großartig werden wird. Unsere Musik wird mit unglaublich netter Begeisterung aufgenommen. Nach jedem Lied gibt es überdurchschnittlichen Applaus, selbst Soli werden mit Beifall bekundet. Das ist leider überhaupt nicht selbstverständlich. Ich muss mich zügeln, nicht zu abgedrehtes Zeug zu spielen
Dann das erste Highlight: Der Hochzeitstanz.
Gute Wahl des Brautpaars: If You Don’t Know Me By Now von Simply Red; Wie ich finde einer der schönsten Walzer der Popgeschichte. Eine sehr schöne Atmosphäre entsteht, indem die alle Gäste einen Kreis um das Brautpaar bilden. Wir mochten die Stimmung danach gar nicht zerstören. Romantik pur!
Aber was sein muss, muss sein. Jetzt wird getanzt!Wie nicht anders erwartet ist die Tanzfläche wie auf einen Schlag voll. Es ist immer schwierig, Stimmung bei kleinen Veranstaltungen zu erzeugen. Wenn 20 Leute sitzen bleiben ist das schonmal direkt die Hälfte. Aber kein Problem bei dieser wundervollen Gesellschaft. Alles wurde begeistert aufgenommen und somit hatten wir die Möglichkeit durch unsere Musikauswahl einen Stimmungsbogen zu erzeugen der voll funktionierte.
Im Raum war es sehr warm, also wurden kurzerhand unsere Pausen auch von den Gästen als Pause genutzt. Sobald es weiter ging, waren alle wieder da.
Samstag, 27.08.2011:
Bis 2:00 Uhr morgens wurde gefeiert, gelacht, getanzt und wie mir schien auf etwas getrunken! Trotz der etwas lieblosen Gestaltung des Raumes werde ich die Location in guter Erinnerung behalten. Das Service-Personal war vorbildlich freundlich und hatte augenscheinlich Spaß an der Arbeit, was sich auch auf die Gesamtstimmung ausgewirkt hat. Das Essen war gut und der Cappuccino wahrlich meisterlich.
Wirklich besonders an diesem Tag war allerdings das Publikum und das Brautpaar. Nette, aufgeschlossene Leute mit einem super Musikgeschmack. Ich würde gern wiederkommen!
Also machen wir uns gegen 02:30 Uhr ans Abbauen. Mit der Gewissheit, dass es sich gelohnt hat bis nach Bremen zu fahren.
Gegen 03:30 Uhr: Abfahrt in Richtung Voerde. Da ich ja erst seit knapp 10 Stunden wach bin, bin ich noch fit und setze mich ans Steuer. Mein Kollege kann in Hotelzimmern leider nicht schlafen und war entsprechend gerädert. Ich kann mich also auf eine ruhige Rückfahrt einstellen. In Autos kann er nämlich schlafen, auch wenn er kurze Wachphasen gern nutzt um das Gegenteil zu behaupten.
Kleiner Zwischenstop am Münsteraner Bahnhof um unsere Sängerin in den Zug zu werfen, dann Ankunft in Voerde um ca. 07:30 Uhr. Da wir erst gegen 09:00 Uhr mit dem Aufbau beginnen müssten, versuche ich mehr aus Vernunft, etwas im Bus zu schlafen. Das stellt sich jedoch schnell als unmöglich heraus. Also beginne ich aus purer Langeweile meinem Kollegen auf die Nerven zu gehen. Erfolgreich!
Wir beginnen schon um 08:00 Uhr mit dem Aufbau.
Location: Wasserschloss Haus Voerde.
Wir waren schon einmal in diesem wirklich schönen Haus zu Gast. Jedoch nicht morgens und auch nicht in dem uns zugeteilten Raum. Der Vorteil an dieser Location ist das Standesamt direkt im Haus. Direkt nach der Trauung muss zur Feier nur der Raum gewechselt werden. Praktisch! Entsprechend hat das Brautpaar zum Essen geladen. Der dafür vorgesehene Raum erinnert mich an eine renovierte Grotte. Wirklich schön, sehr niedrige Decke mit zwei länglichen Gängen die mit Tischen bestückt sind. Leider bleibt dann aber auch nicht mehr viel Platz.
Wir sind nur zu zweit gebucht. Das ist auch gut so, denn damit ist der Raum voll. Unsere Aufgabe wird es nun die nächsten 5 Stunden sein, das Essen mit Hintergrund-Musik zu untermalen.
Ich mag solche Auftritte wirklich sehr gern. Leise spielen ist eine Herausforderung, dafür hat man aber die Möglichkeit, etwas zu experimentieren und einige außergewöhnliche Songs zu probieren.
Der Zeitplan funktioniert tatsächlich reibungslos. Pünktlich um 11:00 Uhr beginnen wir mit der Musik, nachdem vorher unser Pianist oben auf dem Flügel eine Stunde für Untermalung gesorgt hat. Es macht Spaß, obwohl wir inzwischen wirklich müde sind. Aber Musik machen ist besser als jedes Koffein-Getränk. Und der Spaß der Gesellschaft motiviert uns, das letzte aus uns herauszuholen.
Dennoch darf Kaffee in den Pausen natürlich nicht fehlen.
Auch diese Location ist eine echte Empfehlung! Sehr geschmackvoll eingerichtet. Räumlichkeiten verschiedener Größen, zuvorkommendes Personal und unfassbar gute Steaks!!
Gegen 16:00 Uhr ist der offizielle Teil der Feier dann beendet. Die Gesellschaft lässt den Tag unter eigens aufgebauten Pavillons vor dem Haus ausklingen. Wir bauen unter Anstrengung der jetzt doch aufkommenden Müdigkeit ab und bereiten uns auf die Heimfahrt vor.
Jetzt bin ich froh, die letzten Meter dann doch mit dem Zug fahren zu können und nicht mehr mit dem Auto fahren zu müssen.
Gegen 18:00 Uhr habe ich definitiv Feierabend und blicke auf ein ereignisreiches, schönes Wochenende zurück.
Hier noch eine kleine Diashow:
Der Bericht vom Wochenende 4_08 from MusikerBericht on Vimeo.
Musiker unterwegs in Bremen und Voerde. – Eine kleine Bildersammlung. Bericht unter http://blog.lounge-band.de, Musik: Andreas Goertz (mit dem iPad komponiert)
Der Autor ist Andreas Goertz, als Musiker ständig mit verschiedenen Live-Formationen unterwegs, unter anderem:
Die Lounge Band, die Partywerker und andere Formationen der liveband24 GbR.